Winterhöck mit Vorstellung von OpenTX

Die Welt der Fernsteuerungen ist in unserem Verein nicht sehr bunt. Die meisten Piloten setzen auf bewährte Fernsteuerungen aus "europäischen" Häusern. Dass es auch anders geht, zeigte Hanspeter Zingg in seiner spannenden Vorstellung von OpenTX beim Winterhöck im Restaurant Gnadenthal.

OpenTX ist ein open-source Projekt für die Firmware von Fernsteuerungen. Im Gespann mit CompanionTX wird eine leistungsfähige Software angeboten, die extrem mächtig und flexibel ist. Passend dazu gibt es aus Fernost die Senderhardware dazu, zum Beispiel vom Hersteller FrSky, der auch ein günstiges und bewährtes 2.4GHz System inkl. Telemetrie anbietet. Auf den ersten Blick fallen die sehr niedrigen Kosten auf - für den Preis eines typischen Einsteigersenders wird hier das volle System angeboten. Allerdings liegt die Faszination dieses Systems weniger am Preis, als vielmehr am offenen Konzept.

Die Macher von OpenTX verfolgen ein möglichst flexibles, frei programmierbares Konzept. Die Geber und Schalter können praktisch beliebig miteinder vermischt, logisch verknüpft und irgendwie auf die Servokanäle geleitet werden, selbst Telemetriedaten können als Eingabe mit verwendet werden. Dazu kommt eine sehr flexible Sprachausgabe und Sequencer. Ein Paradies für Tüftler und Programmierer, insbesondere für komplexe Funktionsmodelle. Damit das ganze einigermassen handhabbar bleibt, kann via Internet auf bestehende Speicherprogramme zurückgegriffen oder mittels "Wizard" die üblichen Konfigurationen automatisch erstellt werden. Die Möglichkeiten scheinen nahezu endlos, das Konzept recht stimmig und konsequent. Allerdings konnten sich die meisten Zuschauer wohl nicht ganz dem Eindruck entziehen, dass hier ein System von Ingenieuren für Ingenieure gebaut wurde - spätestens wenn man auf dem Sender die Einstellungen anpassen will, vermisst man schmerzlich etwas intuitivere Namen ("war jetzt L23 dem linken Knüppel, dem Schalter oben rechts oder einer logischen Verknüpfung der beiden zugewiesen?") und Benutzerführung. Für die Idee, eine solche Steuerung auf dem Platz ohne Laptop zu programmieren, liess sich keiner wirklich erwärmen.

Das Kontrastprogramm zu OpenTX lieferte dann Michael Orschel mit der Vorstellung der neusten Multiplex Sendergeneration. Auch Multiplex bietet in ihren Sendern ein äusserst flexibles Programmierkonzept, führt aber den Benutzer viel stärker. Hier wurde ganz klar von Piloten für Piloten mit einem starken Augenmerk auf Sicherheit entwickelt. Dass in diesem Sender jahrelange Erfahrung steckt, wurde an vielen Details deutlich. Auch die Haptik ist auf einer anderen Ebene, was beim x-fachen Preis auch erwartet werden darf. Programmiert wird direkt auf dem Sender. Das ist zwar nicht ganz so bequem wie auf dem PC, dafür geht es problemlos auch auf dem Platz.

Während der Veranstaltung wurde wohl keiner der anwesenden Piloten zu OpenTX konvertiert. Zwar konnte sich jeder sofort Vorstellen, welche coolen Features insbesondere mit der Verknüpfung der Telemetriedaten möglich wären, schlussendlich aber überwiegte dann doch das Verlangen nach einer intuitiven Bedienung. Der Vortrag erweiterte aber klar den Horizont und lässt hoffen, dass das eine oder andere Feature irgendwann den Weg in die traditionellen Steuerungen finden könnte. An dieser Stelle gebührt ein grosser Dank an Hanspeter und Michael für die ausführlichen Vorstellungen!