Formidables Westwindwetter über die Weihnachtstage...
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- Erstellt: Freitag, 28. Dezember 2012 17:39
- Geschrieben von Yves Burkhardt
...oder vom Saulus zum Paulus. Kamerad Petrus hat es entgegen anderslautender Medienberichten (immer diese Skifahrer!) über Weihnachten mit dem Wetter für die Modellsegelflieger gut, ja sehr gut gemeint! Dank strammem Westwind und einigermassen "angenehmen" Temperaturen konnte am Belliker Westwindhang über die Weihnachtstage und die Altjahreswoche ausgiebig geflogen werden.
Dies motivierte einige Piloten aus der Region wieder einmal den Hangsegler aus dem Keller zu holen, so auch den Schreiberling.
Schon seit etlichen Jahren nicht mehr bei Westwind am Hang geflogen war dies doch zum Jahresabschluss nochmals ein richtiges Highlite. So musste die, zugegebenermassen für die Ebene und den Thermikflug bei mir wenig beliebte Standard-Libelle von Valenta, trotz anderslautender Herstelleranpreisung im Internet, versuchs- und robusterweise, herhalten. Gehts sie dabei drauf, habe ich mir gesagt, so ist es auch nicht weiter schlimm und durchaus ohne Zähneknischen verdaubar. Ich pflege die Modelle in der Lagerbuchhaltung und der Bilanz üblicherweise nicht zu aktivieren sondern sogleich auf Null abzuschreibe. Vorsorge ist besser wie nachtrauern!
Dieser Voll GFK-Segler, mit Carbon D-Box und einem HQ 2.5/12er Profil, so schien es mir, müsse nun definitiv zeigen, ob er in meinem Fundus verbleiben dürfe oder sich im negativ am Hang präsentierenden Überlebensfall – unter Anpreisung "weniger Gebrauchsspuren" und der üblichen positiven Anpreisungen von Occassionsmodellen – outgeplaced würde. Das Modell befindet sich in ausgezeichnetem Zustand, da ja mehr oder weniger neuwertig, keine fünfzehn Flüge stehen im Logbuch. Dank der Voll GFK-Bauweise und der massiven aber nicht leichten Konstruktion wäre die Libelle für den Hangflug ja geradezu prädestiniert. So verzichtete ich auch auf den Einsatz der Flügelverlängerung und der angeformten Winglets, denn damit ausgerüstet schlingerte der Libellensegler – wohl des kurzen Rumpfes im Verhältnis zur grösseren Spannweite wegen – doch sehr um die Längsachse. Walti Clemens, auch Besitzer dieses Modells und ich hatten dies schon mehrfach in der Ebene festgestellt. Mit einer Spannweite von nur 385cm statt über 400cm ins Gefecht zu steigen schien mir durchaus angebracht.
Ein kurzes Studium der Umgebung wo zu landen am Besten wäre, welche Bäume und Zaunpfosten wenig geeignet sind um beflogen zu werden und welche möglichen Ausstiegsszenarien in Frage kämen, beendeten meinen Vorflug-Check. Der Wind zeigte genau in 90° Richtung des Hanges und so warf ich das Teil in sein Element welches dies sogleich mit sattem aber angenehm erfreulichem Steigen quittierte. Der Wind war konstant und stark, dafür wenig böig. Wie hatten wir es gelernt? Ja genau, horizontal liegende Achten fliegen am Hang, immer aus dem Hang hinaus drehen gegen den Wind was ich geflissentlich tat und so nach kurzer Zeit eine satte Ausgangshöhe für erste Turnübungen hatte. Los ging es mit schnellen Vorbeiflügen, grossen Loopings, seglertypischen Rollen und Retournements.
Mittlerweilen gesellte sich mit Marco auch ein weiterer Seglerpilot zu mir der seinen Nurflügler für den Erstflug den Elementen übergab. Es galt den Luftraum zu teilen, was aber angesichts des guten Steigens eher präventiven als lernenden Charakter hatte.
Nun erinnerte ich mich auch noch an das Vorhandensein der Wölbklappen an meiner Standard-Libelle. Also wurden diese auch ins Kalkül miteinbezogen und schon marschierte das Teil noch besser als gerade eben. So wurden diese endlich und rege gebraucht für den Speedflug und die Akrofiguren, formidabel wie sie flog und Durchzug hatte – meine doch als Thermik- und Ebenen Modell gänzlich ungeliebte Libelle. Die Verhältnisse waren in Bellikon an der Kante nahezu perfekt. So war für mich klar, den Landeanflug von Richtung Sennhof/NNO genau gegen den Wind aus guter Höhe anzusetzen und mit voll gesetzten Bremsklappen das Gerät auf dem winterlich nassen, leicht morastigen, aber kurzgrasigen Wiesenfeld, mit beherztem Klappen- und Höhenrudereinsatz bei geeigneter Geschwindigkeit aufzusetzen. Junge gib alles und zeig, dass du auch am Hang unter leicht erschwerten Bedingungen noch landen kannst und nicht zum reinen Pistenpiloten migriert hast. Leute, ich kann euch sagen, die Distanz zu mir und dem Modell betrug nach dem Aufsetzen rund 8 m – alle Teile waren noch dort wo sie der Konstrukteur hinplante und hingehörten. Das Modell lag genau in Anflugrichtung da als wollte es sogleich wieder gen Himmel steigen. Ich war hoch erfreut, nach einem ersten etwa 25-minütigen Flug, eine saubere Landung nach einem super Westwindhangflug hingelegt zu haben. Ich fragte mich, wann ich das letzte Mal Hang geflogen bin, es sind Jahre seither, auch in Bellikon. Es sollten weitere Flüge folgen, ich hatte Honig geleckt.
So viel Käse wie ich mit dem Modell beim fliegen in der Ebene schon erlebte mit herumgieren, in der Thermik umhergurken, umhereiern und Strömungsabrisssen – so viel Freudiges habe ich am Hang mit der Libelle in diesen Tagen erlebt. Ich war definitiv in den Besitz eines grossen und robusten Hangseglers gekommen, ich hatte wirklich nochmals Weihnachten. Das Modell hat seinen Hangarplatz in der Werkstatt definitiv gefestigt und ist vom Standmodell zum Hangflugmodell mutiert. Es sind nun übrigens weder eine eMail- noch eine Ricardo-Verkaufsaktionen geplant und Petrus hat offenbar in seiner Fügung mit dem Weihnachtswetter in dieser heiligen Zeit das Seinige dazu beigetragen aus einem Thermik-Saulus einen Hang-Paulus zu machen.
Slope soaring, lets rock again!

